Samstag, 26. Juli 2014

Secret Belgian Binding

Passend zur Sommerpost, die uns doch nun schon seit einiger Zeit beschäftigt, gibt es von uns heute ein Buchbindetutorial. Diese Bindung hat von uns zwar keiner benutzt, aber sie ist ausgesprochen schön - weshalb wir sie hier noch einmal zeigen wollen. Noch einmal deshalb, weil Moni auf ihrem Blog schon einmal ein Tutorial dazu gemacht hat - da damals aber noch ein paar Fragen offen blieben, jetzt nochmal hier in voller Länge und zum mitbinden. ;-)

Die Bindung ist einfacher, als sie auf den ersten Blick vielleicht aussieht, braucht jedoch etwas Zeit. Allerdings ist Zeit ja etwas, was man beim Buchbinden generell mitbringen sollte. Sehen wir es also einfach als Bindemeditation - oder so.

Und los gehts:

Buchdeckel von innen
Beim oberen Bild seht ihr beide Buchhüllen von außen, hier von innen. In diesem Tutorial wird nur die Bindung gezeigt, nicht das Beziehen der Cover, das fällt mir jetzt gerade erst auf. Bei der Japanischen Fadenheftung habe ich das Beziehen schon einmal gezeigt, hier bei der Belgian Binding werden keine "Gelenke" am Cover benötigt, das Bezugspapier bzw. das Buchbinderleinen bei allen drei Teilen also um alle Kanten geklebt.
Es werden zuerst die bezogenen Buchdeckel und der -rücken verbunden und danach die Lagen in die Querschnüre am Buchrücken eingebunden. Da uns die über die Buchdeckel gespannten Schnüre nicht so gut gefallen haben, haben wir sie beim oberen Beispiel mit dem Spiegel überklebt. Beim unteren Beispiel liegen sie offen, als "Schmuck" oder "Ablenkung" wurden Washis um die Längsschnüre geklebt.

Zum Lochen der Lagen und der Buchdeckel müssen zuerst Schablonen angefertigt werden.
Die linke, beige Schablone ist für die Lagen, da werden die Löcher mit einer Ahle gestochen.
Die rechte, weiße Schablone ist für die Buchdeckel, diese Löcher werden ein/durchgebohrt.






Die Schablone für die Lagen wird mittig in jede Lage eingelegt, dann die Lage so weit wie möglich zuklappen und Loch für Loch mit einer Ahle durchstechen. Durch das Zuklappen wird erreicht, dass die Löcher bei allen Blätter durch den Knick gehen und diese nicht verrutschen. 


Bei den zum Block aufeinander gelegten Lagen müssen die Lochreihen dann schön übereinander liegen.


Zum "Ver"binden von Buchdeckel und Buchrücken werden die Teile mittels Kartonstreifen und Klammern aneinander fixiert. Dabei sollte der Abstand zwischen Rücken und Deckel ca. 2 mm betragen.

Für mein 18 cm hohes Buch habe ich Garn in ca. 14-mal die Buchhöhe verwendet, also rund 2,5 Meter. Dies ist aber nur ein sehr grobes Maß, bei einem breiteren Buchrücken wird auch mehr Garn benötigt.



Begonnen wird im rechten, oberen Loch, man sticht von innen nach außen. Der Garnanfang (ca. 10 - 15 cm) wird unter der Klammer fixiert. Dann mit dem Garn zwischen Buchdeckel und -rücken nach innen stechen, hier das Garn über den Buchrücken führen und links zwischen Buchrücken und -deckel wieder nach außen. Durch das linke, oberste Loch wird wieder nach innen gestochen, dann den Weg nach rechts zurück, der Buchrücken liegt nun zwischen je einem Faden. Den genau gleichen Weg wie zuvor wieder nach links binden. Über den Buchrücken führen nun innen zwei Parallelfäden und außen einer, bei den Buchdeckeln ist es umgekehrt.


Das Garn nun links durch das darunter liegende, zweite Loch nach außen führen und genau so weiter binden, bis man im rechten, untersten Loch heraus kommt. Das Garnende wird hier um den gespannten Faden verknotet und dann verkürzt. Den Garnanfang auf die gleiche Weise oben um den gespannten Faden verknoten. 


Da die Fäden in meinem Fall noch von den Spiegeln verdeckt werden, habe ich Anfangs- und Endstücke mit etwas Washi fixiert, damit sie nicht irgendwo abstehen.
Nun werden noch die Spiegel aufgeklebt, dann ist die Buchhülle fertig.

Für das Einbinden der Lagen braucht es keine Längenangabe für das Garn, da die Stücke neu angeknotet werden.
Das Einbinden der Lagen beginnt oben und zwar mit der letzten (hintersten) Lage. Hier durch das oberste Loch der Lage nach innen stechen und innen durch das zweite Loch wieder zurück. Den Garnanfang mit einer Klammer fixieren.
Das Garn am Buchrücken hinter Fadenpaar zwei und drei durch führen. Dann durch Loch drei der Lage wieder nach innen stechen und durch das darunter liegende wieder zurück.


Hinter Fadenpaar vier und fünf am Buchrücken weiter ...



So die ganze Lage einbinden. Durch das unterste Loch der Lage nach außen stechen. Das Garn um das unterste, noch verbliebene Fadenpaar nach oben führen und nun die nächste Lage dazu nehmen. Hier durch das unterste Loch nach innen stechen und durch das darüber liegende Loch wieder nach außen. Dann um Fadenpaar zwei und drei von unten...



Bei der zweiten Lage oben angelangt wird der Garnanfang verknotet, aber nicht abgeschnitten. Nun geht es durch das oberste Loch der dritten Lage weiter.

Je mehr Lagen eingebunden sind, um so enger wird es. Dann ist es einfacher, die Schlingen über die ganze Strecke einer Lage locker zu lassen und das Garn erst nach dem Einbinden auf der ganzen Länge anzuziehen.


Muss mit neuem Faden weiter gebunden werden, lässt man das Ende hängen und fixiert den Anfang wieder mit einer Klammer. Dann wird diese Lage zuerst zu Ende gebunden, dann das Garn angezogen und Anfang und Ende verknotet.









Wenn alle Lagen eingebunden sind, wird das Garnende zum Garnanfang geführt und beide Stücke miteinander verknotet. Jetzt werden die Enden kurz hinter dem Knoten abgeschnitten.






Und wem das alles nun zu textlastig war - hier gibt es noch drei Filme mit insgesamt ca. 45 Minuten zum gleichen Thema.


Kommentare:

  1. Hallo Moni, danke für das Tutorial. Das sieht kompliziert aus, aber vermutlich muss man es einmal selbst mit Material in der Hand angehen, dann passen die Einzelstücke zusammen und alles wird klar. Ich komme vielleicht mal auf deinen Kommentar in meinem Blog zurück und wir treffen uns zum Klönen und Buchbinden! Hab es fein, und ich bin nun schon sehr gespannt auf deine Sommerpostbücher. LG. Susanne.

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    1. Liebe Susanne,
      hier ist es wie mit jeder (Handarbeits)Anleitung: in die Finger nehmen und anfangen, dann wird manches klar, was so schwierige Theorie ist;-)
      Liebe Grüße - und ja, wer weiß, an der Entfernung kann es nicht liegen!
      Moni

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  2. Danke für das tolle Tutorial! Ich habe mich bisher mit einem englischen herumgeschlagen, als ich diese Bindung einmal versucht habe. Schwierig oder kompliziert ist es tatsächlich nicht, nur etwas zeitraubend, und man kann damit auf jeden Fall schöne Effekte erzielen, je nach Gestaltung des Einbands.
    LG, Gerdi

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  3. Wahnsinn..., ich würde mich da wohl doch nur herantrauen, wenn jemand neben mir sitzt und mitmacht..., mit Anleitungen tue ich mich schwer, selbst bei bebilderten..., wunderschöne Bücher sind das jedenfalls! LG Ghislana

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    1. Liebe Ghislana,
      es ist wirklich nicht so schwer, wie es aussieht:-) Guck dir mal die Filmchen an, die ich unten verlinkt hab. Ich finde sie etwas langatmig, aber sie zeigen die Technik gut.
      Liebe Grüße
      Moni

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  4. Ganz wunderbar wie das erklärt ist. Ein Hoch auf die Blogger Welt. Ein fettes DANKESCHÖN von pipistrello, ausprobieren folgt später.

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