Montag, 4. April 2016

Siebdruck mit mehreren Papierschablonen

Meinen ersten Siebdruck habe ich euch vor kurzem hier gezeigt, den Fisch-Druck.

Beim Einlesen in die Materie las ich irgendwo folgenden Satz:
"Alles, was du dir zutraust auszuschneiden, kannst du auch drucken."
Dieser Satz ließ mich einfach nicht mehr los. Ausschneiden kann ich, auch genau und filigran, also müsste ich das ALLES drucken können??? Außerdem wollte ich mich noch einmal an einem mehrstufigen Motiv versuchen, dieses Mal allerdings nur an einem Einzelnen und nicht gleich einer ganzen Gruppe.

Gesagt, getan - der Räuber wünschte sich ein Sauriershirt, das sollte das Probestück werden. Drucken wollte ich einen T-Rex mit vier Schablonen: Zuerst Hellblau, dann ein dunkleres Blau, dann Rot und zum Schluss Weiß. Linien waren zunächst nicht geplant.
Den T-Rex habe ich mir zunächst vier Mal ausgedruckt und dann die einzelnen Felder mit dem Skalpell ausgeschnitten. Der Saurier befand sich in der Mitte eines A4-Papieres, somit war mein gesamter Siebdruckrahmen damit abgedeckt. Dann die Farbe angerührt, Verzögerer zugegeben und los.

Die erste Stufe war gar kein Problem: drucken, Rahmen abnehmen, fertig.
Jetzt kam das Positionierungsproblem der weiteren Schablonen, ich habe das jetzt so gelöst: Ich lege jede weitere Papierschablone direkt auf den Stoff, dann kann ich durch die Ausschnitte so viel erkennen, dass ich recht genau positionieren kann. Dann lege ich vorsichtig - damit nichts mehr verrutscht - den Rahmen auf das Papier und drucke, anschließend wird alles wie gehabt abgenommen. Das funktioniert gut, allerdings kann dann pro Schablone nur ein Mal gedruckt werden. Bei einem Einzelmotiv geht das, bei einem großen zu bedruckenden Stoff halt nicht...
Stufe drei war dann der rote Mund: da ich keine rote Siebruckfarbe hatte, habe ich einfach normale Stoffmalfarbe genommen. Die ist etwas flüssiger, hat sich aber auch gut drucken lassen. Gar keine gute Idee war es allerdings, das Ganze ohne Verzögerer zu machen. Obwohl die Fläche so klein war, so schnell konnte ich fast nicht zum Auswaschen rennen, wie die Farbe schon in den Sieb trocknen wollte....
Jetzt kam Stufe vier: Weiß. Bis hierhin ging alles gut, die weiße Farbe verhält sich beim Drucken allerdings ganz anders als die anderen. Ich habe das Weiß wie angegeben mit einem Tröpfchen Verzögerer glattgerührt, die Konsistenz fühlte sich auch gut an. Und trotzdem ist mir Farbe unter die Schablone gelaufen. Übel. Da muss ich noch ein paar Versuche machen.

Um das Bild zu "retten", habe ich dann halt doch wieder meinen schwarzen Stoffmalstift ausgegraben. Und alles umrandet sowie das Rot (jetzt teilweise Rosa) im Mund recht stark schattiert. Innerhalb des Sauriers konnte ich die weißen Stellen zudem mit blauer Farbe zupinseln, zwischen Maul und Auge könnt ihr die Stelle erkennen. Nur an den Füßen sieht man noch das verlaufene Weiß, aber das halte ich für vernachlässigbar. So weit, so gut.

Natürlich hätte ich meine Versuche auch auf einem Probestück machen können. Zugegeben. Aber irgendwie ist mir da meist die Zeit zu schade, um nur für die Restekiste zu produzieren. Deswegen musste es halt gleich der T-Rex auf dem Kindershirt sein.


Bisherige Erkenntnisse: 

  1. Man kann tatsächlich auch mit kleinem Aufwand zuhause sehr schöne Siebdruckergebnisse erzielen. 
  2. Das Motiv immer in der Mitte des Papierbogens positionieren und allen Rand stehen lassen - so spart man sich das Abkleben des Siebes. 
  3. Normales Schreibmaschinenpapier reicht für die Schablone völlig aus. Ich konnte meine Schablone beim Fischmotiv ohne Probleme 20 Mal abdrucken, ohne dass sie geschmiert hätte. 
  4. Immer, immer, immer Verzögerer benutzen!
  5. Weiß verhält sich völlig anders als alle anderen Farben. 
  6. Man kann zur Not auch einmal mit normaler Stoffmalfarbe drucken, so muss man nicht jeden Farbton doppelt im Schrank haben. 
  7. Leere Breigläschen eignen sich ganz hervorragend, um angemischte Farbe aufzubewahren. 
  8. Den Sieb nicht in der Badewanne auswaschen! (Nach dem Auswaschen des bisschens roter Farbe war meine Badewanne ROSA! Urgs! Das Geschrubbe kann man sich echt sparen.) Besser ist eine separate kleine Wanne (bei mir die Babywanne) oder gleich der Gartenschlauch. 
  9. Ein benutzter Sieb lässt sich prima in einer Schüssel voll Wasser zwischenlagern, sollte man mal nicht direkt zum Auswaschen kommen.
Mein Material:
Für alle, die das jetzt interessiert: ich benutze die Siebdruckfarbe Dekaprint 2000, meine Weiß ist die Deka Permanent, meine normale Stoffmalfarbe ist von Javana und mein Stoffmalstift ist der T-Shirt pen von edding. (Nur zur Information, gesponsert werde ich da von keinem *g*)

Falls ihr Tipps für das Drucken mit reinem Weiß habt, nur her damit. Ebenso, falls jemand einen Stoffmalstift mit feiner Miene kennt - so eine Art Fineliner für Stoff. Mein Stift hat eine normale Filzstiftspizte, aber manchmal hätte ich gerne noch was dünneres.

Und das fertige Shirt zeige ich euch dann morgen - sofern ich den Räuber heute Nachmittag noch vor die Linse bekomme...

verlinkt mit: Frühlingsmailart, Montagsfreuden, meertje, crealopee.

Kommentare:

  1. Ich finde diesen Drachen ja ganz und gar wunderbar!!! (Und bin heilfroh, dass ich der Frühlingspost-Siebdruckerei diesmal widerstehen konnte... Aber es ist toll jetzt so viele Erfahrungsberichte zu lesen und so viel zu sehen.) Herzliche Grüße Ghislana

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  2. Der SAURIER!!! Genial...
    Hättest du das mal gebloggt BEVOR ich in der Badewanne ausgewaschen habe!!!
    HAbe auch fleißig geschrubbt...
    Mach ich nie wieder!
    Annette

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  3. Genial! Ich bin schwer beeindruckt und bin sicher, dass dein Kleiner das Shirt nicht mehr hergeben wird. Danke für die Tipps!
    LG. Susanne

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  4. Vielen tausend Dank für diese auführliche Anleitung und deine Erfahrungsberichte. Ich finde es großartig, das du deine Erfahrungen teilst. Ich kann eigentlich alles so unterschreiben... glaube beim nächsten mal nehme ich auch den Gartenschlauch, der ist wieder im Betrieb. Wiedersprechen muss ich allerdings beim Thema abkleben. Wenn du die Flächen des Siebs, die nicht gedruckt werden, von der Innenseite (die nicht auf dem Stoff aufliegt) gut abklebst, kannst du die überschüssige Farbe auf dem Klebeband wieder einsammeln. Durch das Sieb versickert sie und wird hinterher nur ausgewaschen. Aber das ist nur eine Kleinigkeit.
    Leider geht diese Technik mit mehrfarbigen Schablonendruck nicht gut für Musterdruck.
    Liebe Grüße und herzlichen Dank
    Michaela

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  5. Nachdem ich inzwischen auch so einige Misserfolgserlebnisse hatte, kommen deine Tipps wie gerufen.
    Herzlichen Dank.
    LG
    Christine

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  6. Dein Dino ist sehr detailliert und auf den ersten Blick hätte ich ihn nicht für einen Druck gehalten. Die mehrfarbige Technik stelle ich mir auch aufwändig und relativ farbvolumig vor.
    Die Kontur bringt Struktur wie Du schon selbst erkannt hast. Manche Stoffmalstifte sind nicht sehr waschfest, mitunter halten Permanent-Marker besser (falls Du mal nachzeichnen musst).
    Viel Spaß beim weiter experimentieren mit Stoff und Farbe.
    LG Ute

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  7. Dekaptrint scheint sich irgendwie anders zu verhalten, denn alles ,was ich hisher mit marabu und javana versucht habe, läuft schnell unter die Ränder. und Freezerpapier dehnt sich aus, so das es auch wellig wird, trotz anbügeln. Ich bin vollkommen sprachlos, dss du Schreibmaschinenpapier genommen hast. aber geölt oder? LG Karen

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  8. Oh dein Saurier gefällt mir super super gut und dein Erfahrungsbericht zum Siebdrucken kommt für mich noch rechtzeitig ;-))). Ich bin die letzte in meiner Gruppe. Zwar sind meine Probedrucke (auch mit Weiß von Dekaprint) super gelungen, aber ich habe keinen verzögerer benutzt und mithilfe meines Mannes sehr schnell arbeiten können, weshalb ich vermutlich keinen Verzögerer benötigte. Beim Einkaufen habe ich mir statt des Verzögerers einen Siebreiniger gekauft (vielleicht ist das ja die Lösung, um das Weiß in reiner Form anwenden zu können???). Ich werde berichten, denn bis jetzt habe ich meinen Stoff eingefärbt und meine ersten Skizzen angefertigt. LG und viel Spaß mit dem wundervollen Shirt wünscht Karin

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